Ewald Scheidt, Geschäftsführer und Mitinhaber der „Curmundo” Wiesbaden

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Kalender 1. Oktober 2022
5 Min.

Wir wollen nicht wachsen, um zu wachsen. Wir wollen wachsen mit Substanz.

Ewald Scheidt

Katharina: Hallo und herzlich Willkommen bei Pflegesteuern. Mein Name ist Katharina.

Frank: Ein herzliches Willkommen auch von mir. Mein Name ist Frank. Wir freuen uns heute, euch den Ewald Scheidt Geschäftsführer der Curmundo in Wiesbaden vorstellen.

Katharina: Herzlich Willkommen Ewald, Geschäftsführer von Curmundo. Curmundo ist ein innovatives junges Unternehmen und betreibt einen ambulanten Pflegedienst.

Frank: Schön, dass du hier bist. Freut uns. Dein Werdegang interessiert uns. Wie bist du eigentlich zur Pflege gekommen?

Ewald: Wie die Jungfrau zum Kind. Also es hat angefangen während meiner Studienzeit. Ich habe im letzten Studienjahr die Curmundo gegründet mit Freunden von meinen Eltern. Es ist wirklich so, es hat sich überschlagen. Ich habe damals Startups gemacht, ich habe BWL studiert. Ich wollte natürlich ins Investmentbanking und in die Unternehmensberatung. Man wird dann auch so gepolt, dass dort die Praktika gemacht werden. Dann war ich auch kurz in dem Bereich unterwegs und hab nebenberuflich sozusagen mit einem guten Freund, der sehr, sehr IT affin ist, Startups betreut. Wir haben im Endeffekt Umsetzungen gemacht, also Apps gebaut, Container gebaut, Ideen verwirklicht für andere Startups und sind da so ein bisschen rumgekommen in Frankfurt. Die Startup-Szene war nichts Großes, aber für uns sehr spannend. Weil wir jung waren und weil wir dann so mit der Szene ein bisschen in Kontakt gekommen sind. Und dann wollten Freunde von meiner Mutter einen Pflegedienst gründen.  Wir sollten am Anfang wirklich nur die Website bauen, das Konzept ein bisschen ausfertigen. Dann haben wir aber sehr schnell gemerkt, dass wir gerade in diesem Bereich der Pflege super gut mit unserem jungen digitalen Ansatz ankommen. Es ist ein sehr fragmentierter Markt.

Keiner weiß so wirklich, was der andere macht. Und das war dann unser Ansatz, wo wir gesagt haben:  Mensch, lass uns das groß aufziehen.

Ewald Scheidt

Wir haben uns alle an einen Tisch gesetzt. Wir hatten eine Krankenschwester mit an Bord. Wir-quasi die digitalen Jungs haben dann die Curmundo gegründet.
Und das war auch mein Werdegang. Also ich habe studiert an der EBS in Oestrich-Winkel von 2013 bis 2016. In 2015 dann die erste Firma gegründet und 2016 im Januar kam dann auch schon die Kunden dazu.

Katharina: Stark! Sehr spannend. Thema Mitarbeiter und Mitarbeitergewinnung. Ist das ein Thema bei euch? Betreibt ihr aktive Mitarbeitergewinnung?

Ewald: Ich sage mal so, wir haben vielleicht den Vorteil, dass wir sehr jung sind und eine große Marktpräsenz haben. Wir sind nicht verteilt auf viele Standorte, sondern wir sind in Wiesbaden und wir sind der größte in Wiesbaden. Und wir sind der jüngste in Wiesbaden -der bunteste so ein bisschen – das heißt wir haben eine unglaubliche Wahrnehmung und kein Problem damit, Mitarbeiter zu gewinnen. Wir bekommen über Kontakte und Freunde von Mitarbeitern wirklich viele Bewerbungen. Und davon haben wir so ein bisschen auch gelebt. Schwierig ist, das auszubalancieren, ohne großes Fremdkapital zu leisten und zu sagen ich habe immer genug Mitarbeiter die für genug Kunden da sind. Wir haben eher so die Thematik zu den passenden Patienten die passenden Mitarbeiter zu finden und diese dann in die Versorgung einzuarbeiten. Das ist eher die Schwierigkeit. Aber zum Glück haben wir bis jetzt am Standort Wiesbaden wirklich wenig Probleme damit gehabt.

Frank: Ihr seid in Wiesbaden, das hast du jetzt mehrfach das gesagt. Wir haben ein bisschen gestalkt, das machen wir immer vorher. Ihr habt 300 Menschen in der Versorgung. Zumindest ist das der letzte Stand auf der Homepage. Wollt ihr expandieren? Gegebenenfalls euch vergrößern? Wie sieht es aus?

Ewald: Wir sind dabei. Die Pflege ist unglaublich. Wir sind zwar sehr digital, aber wir sind keine Vermittlungsplattform, das heißt, eine Standorterweiterung ist sehr, sehr schwer umzusetzen, wenn man die Qualität sichern möchte. Und Pflege ist wirklich eine Sache, die lebt mit der Qualität. Wir haben den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) der zum Kontrollieren kommt und wir wollen nicht wachsen, um zu wachsen. Wir wollen wachsen mit Substanz. Wir sind gerade in der Sondierung von verschiedenen Übernahmezielen. Wir haben gesagt erst einmal Hessen.
Wir tun uns aber schwer, da etwas Passendes zu finden. Wir sind jetzt bis hoch in den Norden und schauen nach einem passenden Unternehmen, das wir mit integrieren können. Aber wir haben Parameter, die müssen eine Mindestgröße im ambulanten Bereich haben und das grenzt den Zielmarkt total ein.

Katharina: Was ich noch gestalkt habe und was ich total interessant fand. Ihr habt überwiegend E-Autos. Ist das für dich die Zukunft oder etwas was die Zukunft sein könnte? Wie sieht das aus? Besteht euer Fuhrpark nur aus E-Autos?

Ewald: Nein, zur Hälfte ungefähr. Wir haben damals angefangen, die ersten zu kaufen, die auf dem Markt waren. Und ich glaube, das war der Fehler. Wir haben die erste Generation an Batterien. Wir haben drei Autos, die fahren gar nicht mehr. Also wir haben das alles, ich sage mal mit begleitet und mitbezahlt. Wir waren bestimmt irgendwo Vorreiter, waren dadurch natürlich auch immer wieder präsent und andere Pflegedienste haben mitgemacht. Ich bin vom Konzept überzeugt! Das Fahren macht Spaß wie in keinem anderen Auto. Und auch die Wartung ist wesentlich leichter. Aber ich glaube, wir hätten vielleicht erst mal andere Leute vorgehen lassen sollen.

Frank: Okay, ja, meine letzte Frage geht so in Richtung ernstes Thema. Corona – ein Riesenthema. Nicht nur in der Pflege. Wie gehst du damit um? Wie schützt ihr die Mitarbeiter? Wie schützt ihr eure Patienten?

Ewald: Sehr, sehr schwieriges Thema. Wir sind von Anfang an dabei und wir sind ja mit dem Thema auch seit März letzten Jahres konfrontiert und hatten auch entsprechend viel Zeit, uns damit auseinanderzusetzen. Natürlich sind wir uns von Anfang an der Verantwortung bewusst, dass wir für die Patienten, die wir versorgen, der einzige Bezugspunkt zur Außenwelt sind. Heißt aber auch wir sind im Zweifel der einzige Träger von diesem Virus. Wir sind in einer ganz besonderen Position. Wir müssen diese Verantwortung auch wahrnehmen. Und wir waren ja zwischenzeitlich auch in der politischen Situation, wo die Verantwortung uns nicht abgenommen wurde. Da wurde nicht reguliert, sondern, ich sage mal sehr viel geöffnet, sehr, sehr viel gelockert. Wir haben uns von Anfang an sehr restriktiv verhalten. Wir haben, wie viele Unternehmen angefangen Teams zu bilden, haben aber gemerkt, dass es im ambulanten Bereich wenig Sinn macht, mit verschiedenen Verwaltungs- oder Pflegeteams zu arbeiten. Es sieht so aus, dass ich nicht zwei Leute für eine Versorgung einplanen kann. Wir haben versucht da soweit es geht, so sauber wie möglich und so hygienisch wie möglich zu arbeiten. Das heißt wir haben am Anfang die Verwaltungsstruktur und den Pflegetrakt voneinander getrennt. Wir haben ein striktes Hygienekonzept, an das wir uns alle halten. Mittlerweile testen wir unsere Mitarbeiter turnusmäßig. Wir haben angefangen täglich zu testen. In manchen Berufsbereichen sind wir jetzt bei einer wöchentlichen Testung. Wir testen sobald irgendwie Symptome da sind, natürlich alles freiwillig, aber unsere Mitarbeiter sind da sehr sorgfältig. Wir testen unsere Patienten, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen werden und testen auf Wunsch auch Angehörige von Mitarbeitern. Weil wir sagen: Bevor wir ein Risiko eingehen und einen größeren Schaden mit uns bringen, gehen wir da lieber in die vorsichtige Haltung. Wir haben durch unsere Pflegehilfsmittel ganz gute Kontakte in der Beschaffung nach China. Das heißt, wir konnten von Anfang an uns sehr gut ausstatten mit FFP2-Masken, mit Mundschutz, mit Handschuhen, mit all den Sachen, die knapp waren und zwischenzeitlich bei uns nicht erhältlich. Wir konnten unsere Patienten damit versorgen, hatten also Seife und Toilettenpapier als es kein anderer hatte, eben weil wir diese Vorratslager hatten und haben davon so ein bisschen gelebt. Ich muss aber dazu sagen wir gehen natürlich da als Unternehmen in die Vorleistung und haben noch keinen Euro erstattet bekommen von Rettungsfonds, weil wir nicht in diesen Bereich fallen, dass wir wirtschaftlich darunter leiden.
Wir haben aber immense Aufwände und da sind wir gerade dran, das reinzuholen.

Katharina: Herzlichen Dank Ewald für das spannende Interview und deine Zeit.

Habt ihr Fragen, Anregungen oder Ideen? Kontaktiert und gerne über: themen@pflegesteuern.de

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